typisch Peru?

Wir fahren der Colca-Schlucht entlang. Nachtplatzsuche ist angesagt. Grundbedingungen, da Regenzeit, ebener, fester Platz, mit leichtem Gefälle nach vorne. Nicht so einfach und oft etwas stressig. Da, kurz vor Cabanaconde erspähen wir ein geeignetes, zugleich aber auch rätselhaftes Objekt. Mitten in der Abgeschiedenheit des Colca-Tals, am Rande einer einfachen Hüttensiedlung, erhebt sich ein schneckenförmig gedrehtes, modernes Bauwerk, das den Vergleich mit Millionenschwerer Designerarchitektur nicht zu scheuen braucht. Was zum Teufel ist den das? Na ja egal, auf jeden Fall besitzt dieses Ding einen grossen geplästerten Vorplatz ohne Schranken und Verbotstafeln. Also genau das was wir suchen. Nachdem wir uns installiert haben, packt uns die Neugier. Einmal mehr, wie schon früher. (siehe:Slouliarchiv/Albanien/Tirana/Pyramide) Langsam bewegen wir uns auf das Objekt zu. Privat, Kläranlage, Bonzenvilla? Niemand zu sehen,aber unzweifelhaft neu gebaut. Aus dem Hüttendorf rennen zwei Mädchen zu uns hin. Das jüngere schleppt ein Buch unter dem Arm. Ein echtes Registrierbuch zum einschreiben; Datum, Name, Vorname, Nationalität, Passnummer (allerdings auch durchsetzt mit Kinderzeichnungen). Nachdem wir unter aufmerksamer Beobachtung der beiden unsere Pflicht erfüllt haben, fragen wir nach dem Zweck des Gebäudes. Ein Museum, kam die Antwort. Ob man reingehen könne (wir erblickten weder Ticketschalter noch Personal). Na klar, dazu sei sie ja hergekommen, bedeutete uns das ältere Mädchen. Mit einem Schlüssel öffnete sie das Schloss, schlüpfte hinein und lässt uns eintreten. Stolz und erwartungsvoll warteten sie auf unsere Reaktion. Und die kam, wir waren verblüfft und irritiert, denn wir sahen --- Leere. Ein fertig gebautes, dreigeschossiges Gebäude und einfach leer. Was das für ein Museum sei, wollten wir wissen. Ein Mumienmuseum kam die Antwort. Aber es ist ja gar nichts drin, bemerkten wir zögernd. Dieser Einwand wurde nicht verstanden, sondern eher darauf gedrängt, das wir es uns ansehen. Also schlossen wir uns der Führung an. Für die Kinder dort sind diese Räume grossartig und sie denken wohl einfach, das die Besucher deswegen kommen. Museum ist Museum, basta. Nun, die Geschichte dahinter und des Rätsels Lösung. Der Bürgermeister von Cabanaconde beansprucht für die Gemeinde den Besitz der Sensationsfundmumie "Juanita" und möchte mit dem Bau des Museums sozusagen vollendete Tatsachen schaffen und damit wohl die Überführung von "Juanita" aus Areguipa erzwingen. Ignorierend, das dieses Gebäude den Voraussetzungen für den Schutz und Erhalt dieses wertvollen und einmaligen Fundes nie und nimmer genügt. Ausserdem werden die Areguipaer sich hüten, diesen Touristenmagneten aus ihren Händen zu geben. (Wer mehr über "Juanita" erfahren möchte --im Internet: Mumie Juanita/wikipedia eingeben.) 

Unsere Erkenntnis einmal mehr daraus. Immer wieder begegnen wir in Peru fertiggestellten Projekten, die sofort, da nie in Betrieb genommen, mit dem Zerfall beginnen. Bedarfsabklärung scheint nicht vorhanden, dagegen eher Prestigdenken um sich als Gönner ein Denkmal zu setzen. Sowiso scheint Marktabklärung in Peru eher unbekannt. Alle machen, was jeder macht. Als Beispiel der Ort Oropesa, bekannt für gute Weizenbrote. Also eröffnet jeder ein Brotgeschäft (gezählt 32 Bäckereien auf 300m), sitzt den Tag, auf Kundschaft hoffend, vor dem Laden und am Abend auf denn 80% nicht verkauften Broten. In den Städten gibts Matrazengeschäftsstrassen, Schlüsselherstellungsbetriebestrassen, Gitarrenverkaufslädenstrassen, Obstsaftpressständestrassen. Aber alle sind irgendwie zufrieden. Wir lieben Peru!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die Bilder dazu

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